Netzwerk behinderter Frauen Berlin e.V.

Aufklärungskampagne "Recht auf Elternassistenz"


Ein Bericht

von Katja Brehmer, spastisch gelähmte Mutter einer 11-jährigen Tochter

Ich heiße Katja Brehmer (Name von der Redaktion geändert) und habe von Geburt an im Wesentlichen eine Spastik, Grad der Behinderung: 80, Merkzeichen im Schwerbehindertenausweis: "G" (Gehbehinderung). Im Laufe meines Lebens sind dann noch Folgeerkrankungen wie eine Arthrose hinzugekommen. Ich bin 51 Jahre alt, habe einen erwachsenen Sohn und ein 11-jähriges Mädchen, bin alleinerziehend und habe keine Verwandten um mich herum. Wegen der Anerkennung des Merkzeichens aG (außergewöhnliche Gehbehinderung) im Schwerbehindertenausweis läuft ein Prozess vor dem Sozialgericht.

Im November 2005 habe ich bei der Landrätin einen Antrag auf persönliche Assistenz zur uneingeschränkten Wahrnehmung meiner Eineltern-Rechte und -Pflichten gestellt. Ich benötige die persönliche Assistenz wegen meiner eingeschränkten Mobilität. Ich habe links eine Unterschenkelschiene im Schuh und nutze eine Unterarmstütze rechts.

Das Amt für soziale Angelegenheiten beim Landkreis hat meinen Antrag etwa zehn Tage später an das Kreisjugendamt zuständigkeitshalber weitergeleitet. Dieser Schritt erfolgte ohne weitere Begründung. Also ging ich davon aus, dass das Amt für soziale Angelegenheiten zuvor eine Zuständigkeit geprüft hat.

Weitere zehn Tage später hat mich das Jugendamt davon unterrichtet, dass es meinen Antrag vom November 2005 zuständigkeitshalber an den überörtlichen Träger der Sozialhilfe weitergeleitet hat. Hinzu kam die Bitte, ich solle zukünftige Anträge auf persönliche Assistenz an den zuständigen Träger richten.

Bisher haben weder das Amt für Soziale Angelegenheiten, noch das Jugendamt, noch das Landesamt als überörtlicher Träger der Sozialhilfe ihre Zuständigkeit erklärt. Ich habe alle beteiligten Behörden darum gebeten, mir einen schriftlichen Bescheid zu erteilen, aus dem hervorgeht, warum keine Zuständigkeit vorliegt. Darauf gab es bisher keine Reaktion. Gleichzeitig habe ich an die zuerst angegangene Behörde einen Antrag auf vorläufige Leistung im Sinne des § 43 SGB I gestellt.

Mein Kind musste wegen Mobbings die Schule wechseln. An der neuen Schule muss ich weite Strecken zu Fuß vom Auto über mehrere Treppenabsätze gehen. Dies kann ich ohne Unterstützung nicht gefahrlos bewältigen. Ich benötige die persönliche Assistenz auch, um an Eltern/Lehrergesprächen, an Elternabenden oder Veranstaltungen in der Schule uneingeschränkt teilnehmen zu können. Außerdem benötige ich die persönliche Assistenz, um mit meinem Kind gemeinsam an altersgemäßen Freizeitaktivitäten wie Schwimmen teilzuhaben. Dabei benötige ich Hilfe beim Gang von der Umkleidekabine bis zum Becken. Auch würde ich gerne einmal mit meinem Kind in Urlaub fahren, aber auch dazu brauche ich Unterstützung.

Ich habe viele Vorschläge an das Jugendamt gemacht, wie man das angehen könnte, damit die Kosten gering sind, keine Reaktion, außer wie oben beschrieben. Eine persönliche Beratung im Sinne des SGB I konnte bisher nicht erfolgen, da der Träger ja nicht feststeht. Damit konnte auch kein sachdienlicher Antrag gestellt werden.

Es gibt in meinem Umfeld zwar einen Behindertenbeauftragten und einen Behindertenbeirat, aber auch von dort erfolgte keine Reaktion. Ich habe die politischen Parteien des Stadtrates und des Kreistages angeschrieben, ebenfalls keine Reaktion.

Dies sind die Erfahrungen einer von Geburt an behinderten Frau und Mutter.

(aufgeschrieben von Katja Brehmer)

Page maintained by  webmaster@netzwerk-artikel-3.de , Copyright(c): Netzwerk behinderter Frauen Berlin e.V.; erstellt: 03.01.2006   
aktualisiert:
  am  Dienstag, 03.01.2006, 20.00

      [ drucken ] 
        [ nach oben ]